Dr.Hauschka Med
Dr. med. dent. Hans Dieter Schwertfeger

Interview mit dem anthroposophischen Zahnarzt Dr. med. dent. Hans Dieter Schwertfeger

Dr.Hauschka Med: Gerne ignorieren wir unsere Zähne so lange, bis sie sich schmerzlich in Erinnerung rufen. Und dann lassen wir allein den schmerzenden Zahn behandeln. Ist das der richtige Weg?

Dr. med. dent. Hans Dieter Schwertfeger: Wichtig ist, die Zähne nicht isoliert zu betrachten, denn sie sind vielseitig mit dem Organismus und auch mit unserem seelischen Empfinden verbunden. So kann ein kranker Zahn einen Hinweis auf ein erkranktes Organ geben oder auf seelische Probleme. Das Gespräch mit dem Patienten ist deshalb wichtig, um mögliche Zusammenhänge erkennen zu können und anzuregen, sich zusätzlich behandeln zu lassen, um auch dem Zahn zu helfen.

Oft sagt man, ein sauberer Zahn wird nicht krank. Dennoch wird schon jeder von uns wegen Karies und anderer Beschwerden beim Zahnarzt gewesen sein. Steht es um unsere Mundhygiene so schlecht?

Die meisten Zahnerkrankungen ließen sich tatsächlich durch eine gute Mundhygiene vermeiden. Allerdings gilt auch hier, dass der Zahn Teil des Gesamtorganismus ist und seine Gesundheit vom ganzen Menschen, so zum Beispiel auch von seiner Ernährung, abhängt.

Was muss ich bei der Mundhygiene beachten?

Ausschlaggebend ist die richtige Technik, Tipps dazu finden Sie hier. Im Übrigen sollte man es mit der Zahnhygiene nicht übertreiben.

Kann ich denn zu viel putzen?

Im gewissen Sinne ja. Manchen Menschen haben dünne zahntragende Knochen mit darüberliegendem dünnem Weichgewebe. Wenn diese Personen zu fest bürsten, können sie Probleme mit zurückgehendem Zahnfleisch bekommen. Das oft schmerzhafte Ergebnis sind freiliegende Zahnhälse. In diesem Fall sollte man zu sehr weichen Zahnbürsten, spezieller Bürstmethode und milden Zahncremes wechseln.

Was empfehlen Sie gegen Plaque?

Der Mundraum enthält wie eine kleine Mikrowelt ein ausgewogenes und gesundes Gleichgewicht an Mikroorganismen. Man sollte ihn deshalb nicht ständig mit desinfizierenden Substanzen gegen Plaques spülen. Denn dadurch zerstört man dieses Gleichgewicht. Eine gute naturheilkundliche Alternative sind Auszüge aus der Rinde der Rosskastanie. Sie wirken verblüffend gut gegen Plaquebildung.

Sie erwähnten vorhin die Ernährung. Wie wichtig ist sie für die Zahngesundheit?

Sehr. Schlechte Ernährung kann sich ganz besonders in Zahnfleischerkrankungen wie der Parodontose bemerkbar machen, die eigentlich eine Stoffwechselstörung ist. Aber auch mangelnder Rhythmus im Tagesgeschehen und hastiges Essen haben Auswirkungen auf die Vitalität des ganzen Organismus und damit auf unsere Zähne. Der Zahnstatus ist damit ein Ausdruck dafür, wie gut wir mit unserer Gesundheit allgemein umgehen.

Wie wichtig ist es, die Zähne mit fluoridhaltiger Zahncreme zu putzen?

Das muss man von Fall zu Fall entscheiden. Wer Amalgam-Füllungen im Mund hat, sollte zum Beispiel auf Zahncremes mit Fluorid verzichten, weil es das Quecksilber aus der Füllung herauslösen kann. Bei Kindern kann zu viel Fluorid zu Verhärtungen im gesamten Organismus führen, die das gesunde Wachstum ausbremsen. Wer allerdings unter sehr weichen Zähnen leidet, dem empfehle ich auch schon einmal, für eine Weile Zubereitungen mit natürlichem Fluorid, allerdings in potenzierter Form, zu verwenden. Sehr gut sind hier auch Zubereitungen mit Auszügen aus Rosskastanienrinde. Sie unterstützen das Gleichgewicht im Speichel so gut, dass die Zähne in diesem gesunden Milieu stabiler und weniger anfällig für Erkrankungen sind.