Tormentill

Synonyme: Bauchwehwurz, Birkwurz, Blutwurz, Christuskrone, Dilledapp, Aufrechtes Fingerkraut, Mooreckel, Potentilla, Rotwurz, Ruhrwurz, Siebenfinger
Wissenschaftlicher Name: Potentilla erecta (L.)
Familie: Rosaceae (Rosengewächs)

Tormentill

Beschreibung

Eine vierblättrige gelbe Blüte auf dünnen Stängeln schwebt über gefingerten Blättern. Eine Rose? Nun, jedenfalls ein Mitglied der Familie. Die von Juni bis August blühende Tormentill wächst 10 bis 40 cm hoch, mal flächig, fast ein Polster bildend an feuchten Standorten, mal struppiger, höher, mit übereinander fallenden Stängeln in trockenen Klimaten. Als Gegensatz zu der eher filigran wirkenden Pflanze mit den ein Zentimeter großen Blüten ist der Wurzelstock imposant dick, wächst kräftig und unregelmäßig in die Breite. Aus ihm sprießen im Frühjahr mehrere Stängel des sonnenhungrigen Tormentills gen Licht. Die angeschnittene Wurzel ist erst gelblich-weiß, färbt sich aber schnell intensiv rot. Daher stammt der Name Blutwurz.
In ihrer ersten Blüte im Jahr zeigt die Tormentill übrigens ihr volles Rosengesicht. Diese Blüten besitzen fünf Blütenblätter. Allen weiteren Blüten sind auf vier Blütenblätter reduziert.

Heimat

Mittel- und Nordeuropa.

Inhaltsstoffe

15-22 % Gerbstoffe (Pyrogallol, Catechinderivate, Ellagtannine)

Verwendung

Extrakte der Tormentillwurzel sind reich an Gerbstoffen. Diese natürlichen pflanzlichen Inhaltsstoffe wirken adstringierend, das heißt zusammenziehend auf das menschliche Gewebe. Leichte Blutungen können damit gestillt und das Gewebe gestrafft werden. Durch eine leichte antibakterielle Wirkung sind Extrakte der Tormentillwurzel eine gute Hilfe in der Zahnpflege, bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum, Prothesendruckstellen und bei Durchfallerkrankungen.
Die Volksmedizin setzt sie als Spül- und Gurgelmittel bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, zu Bädern und Umschlägen bei schlecht heilenden Wunden, Erfrierungen, Verbrennungen und Hämorrhoiden ein. Innerlich findet sie Verwendung bei Magenbeschwerden und Durchfall.
Tinkturen oder Extrakte aus der Blutwurz ergänzen Zahn- und Mundpflegemittel, Badezusätze oder Cremes gegen großporige Haut, Rasierwasser, Deos und vieles mehr.

Wissenswertes

Der Name Tormentill leitet sich vom lateinischen „tormentina“ = Darmgrimmen, Kolik ab. Bei diesen Beschwerden wurde die Tormentillwurzel schon früh eingesetzt. Potentilla erecta heißt so viel wie die aufrechte Mächtige (potentia = Macht, erectus = aufrecht).
Die zusammenziehende (adstringierende) und antibakterielle Kraft der Tormentillwurzel war bereits im Altertum bekannt. Auch Hildegard von Bingen kannte die Vorzüge dieser heilkräftigen Wurzel. Sie schrieb: „Die Blutwurz ist mehr kalt als warm, und ein Mensch, der überflüssige und giftige, das heißt eitrige Säfte in sich hat, der nehme Blutwurz, und zweimal so viel Brachwurz und zerstoße es zu Saft, und so schütte er das in ein Tongefäß, und darüber gieße er guten und klaren Wein, und so trinke er nach dem Essen und wenn er schlafen geht während fünfzehn Tagen, und es wird ihm für ein Jahr nützen, sodass dieser Trank die überflüssigen und giftigen Säfte vermindert.“
In Pestzeiten soll eine himmlische Stimme auf die Blutwurz aufmerksam gemacht haben. Im Jahre 1348/49, als im badischen Wiesental die Pest wütete und keine Rettung in Sicht war, soll ein Vogel vom Himmel gekommen sein und folgendes Lied gepfiffen haben: „Aesst Durmedill und Bibernell, sterbt nüt so schnell.“
Kräuterpfarrer Johann Künzle schrieb 1911: „Wackelige Zähne erhalten wieder Stand, wenn man 8 Tage lang mit Blutwurz-Wasser gurgelt. Zu dem Zweck wird das Blutwurz-Wurzelpulver mit heißem Wasser angebrüht.“
Als die Ratanhiawurzel in deutschen Landen Einzug hielt, geriet die Blutwurz in Vergessenheit. Im Ersten Weltkrieg gab es Lieferschwierigkeiten bei der fremdländischen Ratanhia, sodass die Bevölkerung wieder auf die einheimische Blutwurz zurückgriff, die sogar mehr Gerbstoffe enthält als die Ratanhia.
Aus der Tormentillwurzel lässt sich der Farbstoff Tormentillrot extrahieren, der eine rote Tinte ergibt.

Die Pflanze bei WALA

Tormentill ist eine Ausnahme unter den Rosengewächsen. Als einziges Familienmitglied hat sie fast ständig nur vier, nicht wie üblich fünf Blütenblätter. Ab der zweiten Blüte „spart“ sie jeweils ein Blatt - vielleicht ihr Geheimnis, wie sie Blütenkraft als Rosenduft in die Wurzel schickt. Überhaupt ist die Blutwurz eher zurückhaltend, nicht üppig in ihrem oberirdischen Auftritt. Als deutsche Gerbstoffpflanze Nr. 1 hat sie ein zusammenziehendes Wesen. Ihre eigentliche Stärke verbirgt sie unter der Erde: die Wurzel. Selbst die kräftige Wurzel zieht sich zusammen, bleibt trotz wasserreicher Standorte straff und fest. Weil die angeschnittene Wurzel blutrot anläuft, sahen die Menschen in ihr eine blutstillende Heilkraft. Die Farbe und der für feine Nasen wahrnehmbare Rosenduft drücken zudem etwas Blütenhaftes aus. Ein Blütenwesen, das in der gerbstoffreichen Wurzel gebannt und geformt ist. Genauso ist das Bild der Tormentill als Heilpflanze: zusammenziehend, straffend, formgebend bei Entzündungen, bei denen die natürlichen Prozesse aus der Facon geraten sind.
In Dr.Hauschka Med Mundspülung Salbei unterstützt Tormentill die zahnfleischstraffende Wirkung. WALA Tormentilla comp.* helfen z.B. bei Blutungen im Verdauungstrakt.


Pflichtangaben zu den genannten Präparaten (die Anwendungsgebiete ergeben sich aus der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis):

Tormentilla comp., Globuli velati
Anwendungsgebiete: Strukturierung der Lebensorganisation und Formung der Blut-Eiweißprozesse durch die Ich-Organisation bei nicht traumatischen Blutungen, z.B. übermäßige Menstruationsblutungen (Menorrhagien), Blutungen im Verdauungstrakt.
Warnhinweise: Dieses Arzneimittel enthält Sucrose und Lactose.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage, und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.